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Erfahrungsbericht ? Schüleraustausch in Brasilien

23.10.2009

Das beste Jahr meines Lebens ist zu Ende gegangen. Aus meinem Auslandsjahr in Brasilien konnte ich sehr viele Erfahrungen mitnehmen und habe mich auch persönlich weiterentwickelt. Ich bin sehr froh, diese Chance gehabt zu haben.Mein Zwischenbericht endete vor meinem Urlaub mit meiner Gastfamilie, an den ich nun anknöpfen möchte. Im Januar, nach dem Weihnachtsfest, haben meine Gastfamilie und ich die Wasserfälle von Igaçu besucht, welche an der Grenze zu Argentinien und Paraguay liegen. Ein gewaltiges Naturschauspiel, welches ich zuvor in dieser Form noch nicht gesehen habe. Außerdem sehr beeindruckend war unser Besuch des Staudamms Itaipú, welcher zu den sieben Weltwundern der modernen Architektur gehört. Die erzeugte Energie wird zwischen den Ländern Brasilien und Paraguay geteilt, welches für Paraguay sogar die höchste Energiequelle darstellt.

Ebenfalls sehr aufregend auf dieser Reise war unser Besuch in Paraguay selbst. Schon vorher wurde mir erzählt, dass man nach Paraguay fährt, um günstige Sachen wie Kleidung, Elektronik oder andere Gegenstände zu erwerben. Ein bunter Markt, welcher die ganzen Straßen füllte, an jedem Verkaufstisch Menschenschlangen, Werberufe, ein unglaubliches Angebot an verschiedensten Waren, handelnde Menschen. Natürlich war es unmöglich, diesem bunten Treiben zu widerstehen und am Ende des Tages hatte ich viel mehr gekauft, als ich vorgesehen hatte. Die Hälfte der Ferienzeit war vergangen. Wir entschieden uns, für meinen Geburtstag an den Strand zu fahren und blieben noch zwei Wochen am Praia Real mit unserem Wohnmobil. Mein Geburtstag am Strand mit meiner Gastfamilie war natürlich der Höhepunkt und zudem unvergesslich.

Anfang März begann die Schule erneut und zum Beginn des Schuljahres wechselte ich in die Parallelklasse unserer Schule, um weitere Mitschüler kennenzulernen und neue Freundschaften zu knüpfen. Durch das kommunizieren mit anderen Leuten merkte ich auch gleich, dass mein portugiesisch über die Ferien besser geworden war, ich schon sehr viel mehr aus den Gesprächen entnehmen konnte und mich dem entsprechend mehr in die Gespräche einbringen konnte. Auch im Unterricht war dieses ein Vorteil und das Zuhören und Mitschreiben fiel mir leichter. Mein Portugiesischkurs war mit dem neuen Schuljahr nun ebenfalls abgeschlossen und ich lernte nur noch in der Schule und in meiner Gastfamilie die Sprache zu verbessern.

Im Mai machte ich einen einwöchigen Austausch in eine andere Stadt und zu einer anderen Gastfamilie. Ich kam in die Stadt Cruz Alta (Hohes Kreuz), welche im Norden des Bundesstaates Rio Grande do Sul liegt. In meiner dortigen Gastfamilie hatte ich einen Bruder in meinem Alter, der ebenfalls gerne einen Austausch machen möchte, wenn er die Schule beendet hat. Außerdem interessierte sich die Familie schon länger für Austauschprogramme und möchte im nächsten Jahr einen Austauschschüler für ein halbes Jahr aufnehmen. Durch mich wollten sie einige erste Erfahrungen mit Austauschschülern sammeln. Ich konnte ihnen viel von meinen Erfahrungen erzählen und freute mich über das Interesse, das von ihnen ausging. Leider ging auch diese Zeit viel zu schnell um und auch nur nach einer Woche Zusammenleben war der Abschied ziemlich schwer.

In den letzten Monaten hatte ich viele Gelegenheiten, durch die Einladungen von anderen Austauschschülern und Freunden weitere Städte zu besuchen. Unter anderem besuchte ich die Stadt Caxias, welche eine der größten im Bundesstaat Rio Grande do Sul ist, und Santa Cruz do Sul, welche sehr durch den deutschen Kolonialismus geprägt wurde. Durch diese Reisen gewann ich ebenfalls einen Einblick in verschiedene Familienverhältnisse und auch in andere Schulformen. Der Unterschied zwischen einer Privatschule und einer öffentlichen Schule hat mich dabei immer wieder überrascht. Der Unterricht in den öffentlichen Schulen war oftmals viel undisziplinierter und die Anforderungen entsprachen nicht denen einer privaten Schule.

Die letzten Wochen meines Auslandsjahres vergingen wie im Fluge. Doch erst am vorletzten Abend, als ich anfing zu überlegen, welche Sachen ich mit zurück nach Deutschland nehmen werde und welche in Brasilien bleiben müssen, und als mein Koffer offen vor mir lag, wurde mir klar, dass es jetzt nach Hause geht.

Meine Klasse hat zu meinem Abschied eine Abschiedsfeier organisiert, in der ich noch einmal einen Moment fand, mich bei allen meinen Freunden zu verabschieden und mich für die Zeit bei ihnen zu bedanken. Die Abschiedsfeier von meiner Familie fand im Rahmen des 50. Geburtstages meiner Gastmutter statt und bot eine schöne Atmosphäre. Der Abschied von meiner Gastfamilie am Flughafen war der schwerste und traurigste Moment von allen. Doch natürlich bleibt neben dem weinenden Auge immer noch ein lachendes.

Zurück in Deutschland fand ich in den Sommerferien genügend Zeit mich wieder an mein Umfeld zu gewöhnen und alle Veränderungen auf mich wirken zu lassen. Meine Familie und meine Freunde waren hierbei eine große Hilfe und unterstützten mich wo sie konnten.

Ich freue mich, diese wertvollen Erfahrungen in Brasilien, in meiner Gastfamilie und meinem Freundeskreis gemacht haben zu dürfen und hoffe auf ein baldiges Wiedersehen mit meiner Gastfamilie.

Jonas Schäfferling, Brasilien 2008/09

Helga von Hoffmann-Stipendium